Ratgeber / SELECTED VINTAGE GUITARS

Tokai: japanische Handwerkskunst und ein eigener Weg in der Gitarrenwelt

Von klassischen Gitarren und der Zusammenarbeit mit Martin bis zu den Serien ST und LS sowie der Metall-TALBO. Die Geschichte einer Marke, die Respekt vor der Tradition mit eigenen Ideen verband.

Tokai Hard Puncher PB45 · SVG

Von Hamamatsu zur E-Gitarre

Tokai gehört zur japanischen Tradition des Instrumentenbaus, in der die Erfahrung von Handwerkern auf die Entwicklung der Musikindustrie traf. Die Anfänge des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1947 zurück, zu einem Institut in Hamamatsu, das sich mit der Erforschung von Klavieren und Mundharmonikas befasste. Die Produktion klassischer Gitarren begann 1965; drei Jahre später erschienen E-Gitarren unter der Marke Hummingbird und 1970 auch akustische Instrumente.

Die an amerikanische Vorbilder angelehnten Serien entstanden somit auf der Grundlage bereits vorhandener Erfahrung im Instrumentenbau.

Tokai Gakki — Chronik der Unternehmensentwicklung ↗

Martin und die Geburt von Cat’s Eyes

1972 schloss Tokai einen Vertrag über den Exklusivvertrieb der Gitarren von C. F. Martin in Japan. Ein Jahr später begannen der Import sowie die technische Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Unternehmen. 1975 kam die eigene Akustikgitarrenmarke Cat’s Eyes ins Programm.

Tokai Gakki — Zusammenarbeit mit C. F. Martin und die Marke Cat’s Eyes ↗

Zur Quelle: Die Chronik unterscheidet zwischen dem Vertriebsvertrag und der späteren technischen Zusammenarbeit. Es handelt sich um zwei getrennte Etappen.

ST und LS: die zwei Säulen des klassischen Programms

Tokai führte die ST 1977 ein, die LS ein Jahr später. Diese Modellfamilien entwickelten klassische amerikanische Vorbilder weiter und halfen der Marke, Käufer außerhalb Japans zu erreichen. Unserer Einschätzung nach rechtfertigen gute Exemplare dieser Serien den Vergleich von Tokai mit Serien-Fendern und -Gibsons am ehesten.

Tokai — Concept ↗

Maschinenpräzision und Handanpassung

Tokai beschreibt die heutige Fertigung als Kombination aus der Bearbeitung auf CNC-Fräsen und der Handanpassung der Bauteile. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Einpassen des Halses; erwähnt wird auch traditioneller Glutinleim tierischen Ursprungs. So verstandenes Handwerk verbindet die präzise Vorbereitung der Teile mit menschlicher Erfahrung bei ihrer Montage.

Tokai Gakki — Methoden des Instrumentenbaus ↗

TALBO: Raum für eigene Konstruktionen

1983 führte Tokai die TALBO mit Metallkorpus ein. Das Modell zeigt die andere Seite des Schaffens der Firma: Neben dem Interesse an klassischen Lösungen entwickelte sie auch eigene Konstruktionen.

Tokai Gakki — Einführung des Modells TALBO ↗

Unsere Sicht: Tokai neben Fender und Gibson

Eine japanische Tokai-Gitarre ist es wert, als ernsthafte Alternative zu neuen Serienmodellen von Fender oder Gibson in Betracht gezogen zu werden. Unserer Einschätzung nach kann ein sorgfältig ausgewähltes Exemplar ihnen in Verarbeitungsqualität und Bespielbarkeit ebenbürtig sein. Ein solcher Vergleich ist jedoch nur zwischen konkreten Modellen mit ähnlicher Konstruktion und Ausstattung sinnvoll.

Seriennummern-Decoder — Tokai ↗

JahrMeilenstein
1972Vertrag mit C. F. Martin über den Exklusivvertrieb in Japan
1973Beginn des Martin-Imports und der technischen Zusammenarbeit
1975Akustikgitarrenmarke Cat’s Eyes
1978LS-Serie
1983TALBO — Metallkorpus

Tokai Gakki — Chronik ↗