Ratgeber / SELECTED VINTAGE GUITARS

Japanische Akustikgitarren neben Martin und Gibson: Cat’s Eyes, K.Yairi und das Erbe von Momose

Von der Zusammenarbeit zwischen Tokai und Martin über die Gitarren von Bob Weir bis zur Werkstatt von Yasuo Momose. Geschichte, konkrete Konstruktionen und die Erfahrungen von Guitar Lab zeigen, warum japanische Akustikgitarren einen Platz neben den besten Instrumenten aus den USA verdienen.

Eine gute japanische Akustikgitarre braucht keine Sonderbehandlung

Bei Guitar Lab sind wir der Meinung, dass gut ausgewählte japanische Akustikgitarren eine mindestens gleichwertige Alternative zu Instrumenten aus den USA sind. In vielen Vergleichen würden wir selbst gerade das japanische Exemplar wählen: wegen seines Klangs, seines Spielkomforts und seiner Verarbeitungsqualität, und nicht nur wegen des niedrigeren Preises. Nach einer fachgerechten Überholung kann ein solches Instrument ein besserer Kauf sein als eine wesentlich teurere Gitarre mit prestigeträchtigem Logo.

Diese Einschätzung haben wir uns bei Dutzenden von Überholungen in unserer Werkstatt, beim Einspielen der Instrumente und in Gesprächen mit Gitarristen erarbeitet. Wir sehen diese Gitarren von innen, arbeiten an ihren Hälsen und Griffbrettern und lernen die Stärken der Konstruktion ebenso kennen wie die Stellen, an denen Verbesserungen nötig sind. Wir beurteilen das fertige Instrument, das einem Musiker über viele Jahre gute Dienste leisten soll.

Die Geschichte von Cat’s Eyes, K.Yairi und Headway macht verständlich, woher diese Qualität kommt. Zu ihr gehören amerikanische Inspirationen, direkter Wissensaustausch, eigenständige Entwürfe und konkrete Gitarrenbauer, die dem Gitarrenbau ihr ganzes Berufsleben gewidmet haben.

Cat’s Eyes und Martin: eine Zusammenarbeit, die es wirklich gab

Die Verbindung zwischen Tokai und Martin ist außergewöhnlich gut dokumentiert. Laut der offiziellen Tokai-Firmengeschichte schloss das Unternehmen 1972 einen Vertrag über den Exklusivvertrieb von C.F.-Martin-Instrumenten in Japan. 1973 begann es mit deren Import und nahm eine technische Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Hersteller auf. Die eigene Akustikgitarrenmarke Cat’s Eyes erschien 1975.

Diese Reihenfolge ist wichtig. Cat’s-Eyes-Gitarren entstanden in einem Unternehmen, das direkten Kontakt zu Martin-Instrumenten und zum technischen Know-how von Martin hatte. Die Ähnlichkeit mit amerikanischen Dreadnoughts hatte also eine wesentlich tiefere Grundlage als eine ähnliche Kopfplattenform oder eine verzierte Rosette. Für uns ist das ein guter Grund, diese Gitarren als ernsthafte Kandidaten für einen Vergleich mit Martin zu betrachten.

Tokai — offizielle Firmengeschichte und Zusammenarbeit mit C.F. Martin ↗

CE1500 und D-28: ein konkreter Bezug im Katalog

Im Tokai-Katalog von 1981 wurde die CE-Serie als „Vintage Martin Replica“ präsentiert. Die CE1500 wurde ausdrücklich als Konstruktion beschrieben, die sich an der Vorkriegs-D-28 orientiert. Zu ihren Merkmalen zählten unter anderem eine gescallopte X-Beleistung und die charakteristische Herringbone-Verzierung. Das ist ein Beispiel für eine bewusste Bezugnahme auf eine bestimmte Bautradition und keine zufällige Ähnlichkeit zweier Gitarren.

Ein Blick auf den Katalogscan lohnt sich: Neben dem CE1500 stehen weitere Modelle mit eigenen Lösungen und Ausstattungen. Cat’s Eyes ist eine umfangreiche Instrumentenfamilie. Bei der Auswahl prüfen wir Modellbezeichnung und Baujahr, damit klar ist, welche Konstruktionsprinzipien tatsächlich hinter dem Exemplar in unseren Händen stehen.

Tokai-Cat’s-Eyes-Katalog 1981 — CE-Serie und CE1500 (Scan, PDF) ↗

K.Yairi: amerikanische Schule und eine eigene japanische Werkstatt

Die Yairi-Familienwerkstatt geht auf 1935 zurück, als Giichi Yairi mit dem Bau hölzerner Instrumente begann. Sein Nachfolger Kazuo Yairi reiste zum Erlernen des Gitarrenbaus in die USA. Nach seiner Rückkehr entstanden 1965 Yairi Guitar und die Marke K.Yairi.

Die Werkstatt in Kani entwickelte ihre eigene Arbeitsweise: viele Modelle, kleine Serien und ein hoher Anteil an Handarbeit. Das Unternehmen beschreibt dieses Fertigungsmodell als eine seit den 1970er-Jahren gepflegte Tradition. Gerade unter solchen Bedingungen kann man einem konkreten Stück Holz und der Passung der einzelnen Teile Aufmerksamkeit schenken. Für Gitarristen ist das dann von Bedeutung, wenn sich die handwerkliche Sorgfalt in einem gut ansprechenden, komfortablen Instrument niederschlägt.

K.Yairi — Geschichte und Philosophie der Werkstatt in Kani ↗

Was hinter K.Yairis Qualitätsruf steckt

In der Beschreibung ihres eigenen Fertigungsprozesses zeigt Yairi die jahrelange Vorbereitung des Holzes, dessen Auswahl, das Fügen der Deckenhälften, die Bearbeitung der Beleistung und das Einpassen der Hals-Korpus-Verbindung von Hand. Eigene Arbeitsschritte umfassen außerdem die Anfertigung von Sattel und Stegeinlage. Das ist konkrete Arbeit am Material und an der Geometrie des Instruments.

Aus der Sicht unserer Werkstatt machen gerade solche Details das Wesen einer guten Gitarre aus. Ein sorgfältig gebauter Korpus sollte mit einem korrekt eingestellten Hals, ebenen Bünden und einer passend angefertigten Saitenauflage zusammenwirken. Eine effektvolle Holzart allein ersetzt dieses Zusammenspiel nicht. Eine K.Yairi sollte man mit Blick darauf anspielen, was das Instrument unter den Fingern leistet: wie leicht sich der Ton entlocken lässt, wie es auf einen kräftigeren Anschlag reagiert und ob es eine freie Gestaltung der Dynamik erlaubt.

K.Yairi — Holzauswahl und Arbeitsschritte im Gitarrenbau ↗

Bob Weir von Grateful Dead und die Alvarez-Yairi WY1

Eines der besten Beispiele für die Anerkennung dieser Gitarrenbauschule ist Bob Weir. Laut Alvarez wurde das Modell Alvarez-Yairi WY1 für ihn und in Zusammenarbeit mit ihm entworfen. Das W in der Modellbezeichnung steht für den Nachnamen des Grateful-Dead-Gitarristen.

Die WY1 hat einen Folk/OM-Korpus, der tiefer ist als bei den Standard-OM-Modellen der Marke, eine massive Zederndecke, Boden und Zargen aus Palisander sowie eine Mensur von 635 mm. Außerdem kommen ein Direct-Coupled-Steg und eine verlängerte Schwalbenschwanz-Halsverbindung zum Einsatz. Das ist eine eigenständige konstruktive Antwort auf die Bedürfnisse eines Musikers, mit anderen Proportionen und Lösungen als bei einer klassischen amerikanischen Dreadnought.

Zum Vergleich: Die Martin OM-28 verwendet eine Fichtendecke und eine Mensur von 25,4 Zoll. Beide Modelle lohnen sich als handliche Akustikgitarren für vielseitiges Spiel, doch jedes bietet ein anderes Spielgefühl unter den Fingern. Gerade diese konstruktive Eigenständigkeit ist einer der Gründe, warum japanische Instrumente ihre eigene Anhängerschaft haben.

Alvarez-Yairi WY1 — Zusammenarbeit mit Bob Weir und Spezifikation ↗

Martin OM-28 — Konstruktion und Mensur ↗

Jerry Garcia und Paul McCartney: Gitarren, die in echter Musik zu hören sind

Mit dem Umfeld von Grateful Dead ist auch eine schöne Studiogeschichte über Jerry Garcia verbunden. In seinem Begleittext zur Veröffentlichung Bare Bones, Volume II erinnert sich David Grisman an das erste gemeinsame Spielen in seinem neuen Studio. Er stellte die Mikrofone auf, während er Garcia auf einer akustischen Alvarez spielen hörte, startete dann die Aufnahme und stieg auf der Mandoline ein. So entstand Bare Bones Prelude. Das ist der Bericht eines Sessionteilnehmers über ein Instrument, mit dem Musik gemacht wurde.

David Grisman — Begleittext zu Bare Bones, Volume II, 2024 (PDF) ↗

K.Yairi in Paul McCartneys Händen

Ein europäischer Musiker, der hier genannt werden sollte, ist Paul McCartney. Das Foreign Press Center Japan führt ihn in einem Beitrag über japanische Instrumente unter den bekannten K.Yairi-Spielern auf. Neben der Zusammenarbeit mit Bob Weir zeigt dies die Präsenz von Gitarren aus Kani bei Musikern mit Zugang zu einer sehr großen Instrumentenauswahl.

Für Käufer ist am interessantesten, dass K.Yairi seit Langem als Wahl zum Spielen und zum Entwickeln eines eigenen Klangs gilt. Die Geschichte der Marke endet nicht beim Vergleich von Preislisten mit der Konkurrenz. Es lohnt sich, sich mit einer solchen Gitarre hinzusetzen und selbst herauszufinden, was man aus ihr herausholen kann.

Foreign Press Center Japan — K.Yairi und Paul McCartney ↗

Yasuo Momose und Headway: eine HD-28 zerlegen, die Konstruktion verstehen, weitergehen

1977 nahmen Kei Yatsuzuka und Yasuo Momose die Tätigkeit von Headway auf. Laut der offiziellen Firmengeschichte war einer der ersten Schritte eine detaillierte Analyse einer Martin HD-28, einschließlich der Zerlegung des Instruments. Es ging darum, die Baumethoden kennenzulernen, die hinter dem angesehenen amerikanischen Klang stehen. Anschließend wurden eigene Lösungen entwickelt; eines der Ergebnisse war die HD-115, die Ende der 1970er-Jahre eingeführt wurde.

Ein Brand im Werk führte 1983 zum Verlust der Werkzeuge und zur Unterbrechung der Akustikgitarrenproduktion. Zu ihrer Wiederaufnahme trug die Gemeinschaft der Spieler bei: 1999 erreichte das Unternehmen ein Brief eines Headway-Liebhabers, der ein Forum zu den alten Modellen betrieb. Momose baute die Vorrichtungen neu auf, und die Rückkehr begann mit einer Serie von 128 HD-115-Gitarren.

Die Geschichte zeigt die Kraft eines Instruments, zu dem Menschen zurückkehren möchten. Frühere Headways hatten Nutzer, die sich für die Wiederaufnahme der Produktion einsetzten. Das sagt mehr über ihre Bedeutung aus als eine eindrucksvolle Katalogbeschreibung allein.

Headway — Analyse der Martin HD-28, Anfänge der HD-115 und Rückkehr der Marke ↗

Momoses Erbe umfasst auch Menschen und Arbeitsweisen

Momose arbeitete bereits in den 1960ern im Gitarrenbau, bevor er technischer Leiter bei Headway wurde. Er entwarf Vorrichtungen und Fertigungsabläufe, entwickelte Konstruktionen und gab Fähigkeiten an weitere Gitarrenbauer weiter. 2015 erhielt er von der Präfektur Nagano die Auszeichnung Shinshu Master Craftsman.

Er starb am 19. März 2024. Deviser nennt Masato Yasui und Arata Furihata als diejenigen, die seine Arbeit an der Headway Custom Series fortführen. Den Namen Momose trägt außerdem eine Marke für E-Gitarren und Bässe, die von in dieser Tradition ausgebildeten Gitarrenbauern weiterentwickelt wird. Sein Werk umfasst also sowohl einzelne Instrumente als auch Wissen, auf das die nächste Generation zurückgreift.

Bei Guitar Lab ist uns dieses Qualitätsverständnis nahe: Es zählen eine gut gebaute Gitarre und das Handwerk, mit dem sie weiterentwickelt, gepflegt und weitergegeben werden kann. Japanischer Gitarrenbau besitzt eigene Meister und eine eigene Werkstattkontinuität.

Deviser — Yasuo Momoses Werk und seine Fortführung ↗

Japanische und amerikanische Akustikgitarren: Was sich zu vergleichen lohnt

Die folgende Übersicht verbindet dokumentierte historische Vorbilder mit Vorschlägen, die man direkt anspielen kann. Bei der Auswahl achten wir auf einen ähnlichen Einsatzbereich und eine interessante klangliche Antwort. Am aussagekräftigsten ist der Vergleich konkreter Exemplare bei ähnlichem Saitenzustand und ähnlicher Einstellung.

Japanisches InstrumentAmerikanischer BezugspunktSinn des Vergleichs
Cat’s Eyes CE1500 aus dem Katalog von 1981Vorkriegs-Martin D-28Der Katalog nennt die D-28 ausdrücklich als Vorbild. Ein Beispiel für die historische Interpretation des klassischen Dreadnoughts.
Headway HD-115Martin HD-28Die HD-28 war der Ausgangspunkt für die konstruktiven Untersuchungen von Headway; die HD-115 steht für die Entwicklung einer eigenen Gitarrenbauschule.
K.Yairi YW500P und Thumb W-500Martin D-28Dreadnoughts für Gitarristen, die eine Konstruktion aus Fichte und Palisander suchen. Wir vergleichen Ansprache, Ausgewogenheit des Frequenzspektrums und Spielkomfort.
Alvarez-Yairi WY1Martin OM-28Handliche Folk/OM-Gitarren mit verschiedenen Ansätzen: WY1 mit Zederndecke und kürzerer Mensur, OM-28 mit Fichtendecke und 25,4 Zoll Mensur.
Aria WJ-40Gibson SJ-200Große Korpusse mit einer Kombination aus Fichte und Ahorn. Dies ist ein Vorschlag, Gitarren für ähnliche Aufgaben zu vergleichen, und keine Behauptung, dass ihre Bauweise identisch sei.

K.Yairi YW500P von 1979: Qualität, die man unter den Fingern prüfen kann

Unsere YW500P verbindet eine Fichtendecke mit Boden und Zargen aus Palisander sowie einem Mahagonihals. Die Vorbereitung bei Guitar Lab umfasste das Abrichten des Griffbretts, das Einsetzen neuer Blacksmith-Medium-Jumbo-Bünde sowie die Anfertigung eines Knochensattels und einer Stegeinlage aus Knochen. Das Instrument wurde für Saiten der Stärke 12–53 eingestellt.

Ein solcher Arbeitsumfang bietet einen sehr konkreten Gebrauchswert: Der Gitarrist erhält ein älteres Instrument mit erneuerter Spielfläche und passgenau angefertigten Teilen, auf denen die Saiten aufliegen. Unserer Meinung nach ist das ein starkes Argument dafür, eine japanische Akustikgitarre zu kaufen, statt das gesamte Budget für eine neue Gitarre der Oberklasse auszugeben. Es lohnt sich, die YW500P einer guten Martin gegenüberzustellen und sich beide einfach aus der Position des Spielers und aus der Perspektive einer gegenübersitzenden Person anzuhören.

Thumb W-500 von 1973: ein Dreadnought, vorbereitet für weitere Jahre des Spielens

Die Thumb W-500 ist ein weiteres Beispiel, das wir Gitarristen, die eine Alternative zum amerikanischen Dreadnought suchen, gern zeigen. Dieses Exemplar hat eine massive Fichtendecke, Zargen und Boden aus Palisander sowie einen Mahagonihals. In unserer Werkstatt wurde das Griffbrett abgerichtet, die Bünde wurden gegen Blacksmith Medium Jumbo getauscht und die Gitarre wurde für Saiten der Stärke 12–53 eingestellt.

Auch die klassische Martin D-28 basiert konstruktiv auf Fichte und Palisander; beim aktuellen Modell gibt der Hersteller massive Fichte und massiven Ostindischen Palisander an. Das ist ein nützlicher Ausgangspunkt für ein Gespräch über die Konstruktion, über unsere Wahl entscheiden jedoch erst Klang und Spielkomfort des konkreten Exemplars. Genau deshalb räumen wir der Thumb in einem solchen Vergleich einen vollwertigen Platz ein.

Martin D-28 — Spezifikation des aktuellen Modells ↗

Aria WJ-40: eine japanische Jumbo neben der Gibson SJ-200

Die WJ-40 von 1981 erweitert den Vergleich über die Welt der Dreadnoughts hinaus. Es ist eine Jumbo-Gitarre mit Fichtendecke, Boden und Zargen aus Ahorn sowie einem Ahornhals. Unser Exemplar erhielt nach der Vorbereitung des Griffbretts neue Blacksmith-Bünde mit einer Breite von 2,1 mm. Außerdem verfügt es über einen passiven Piezo-Tonabnehmer.

Ein naheliegender amerikanischer Bezugspunkt für eine große Gitarre aus Fichte und Ahorn ist die Gibson SJ-200. Die vom Hersteller beschriebene Standard-Version verbindet massive Sitka-Fichte mit Boden und Zargen aus Ahorn. Die Aria ist ein interessanter Vorschlag für alle, die einen großen Korpus mögen und eine Akustikgitarre zur Begleitung suchen, ihr Budget aber vernünftig einsetzen möchten. Gemeinsame Holzarten eröffnen das Gespräch; über die Wahl entscheiden das eigene Spiel, die Ansprache des Instruments und seine Vorbereitung.

Gibson SJ-200 Standard — Super-Jumbo-Konstruktion aus Fichte und Ahorn ↗

Was Dutzende Überholungen bei Guitar Lab zeigen

Unsere Überzeugung vom Wert japanischer Gitarren erwächst aus der Arbeit mit realen Instrumenten. Bei einer Überholung lassen sich der Zustand der Verbindungen, die Halsgeometrie, das Griffbrett und die Möglichkeiten einer korrekten Saiteneinstellung beurteilen. So lässt sich der Verschleiß durch jahrelanges Spielen von der Qualität der Konstruktion selbst unterscheiden. Eine gute Akustikgitarre mit abgespielten Bünden kann nach wie vor eine hervorragende Basis für die weitere Nutzung sein.

Die Vorbereitung einer solchen Gitarre erfordert den Blick auf das Ganze. Ein Neubundieren allein löst nicht jedes Problem, ebenso wenig wie das Absenken der Stegeinlage die Beurteilung des Halswinkels ersetzt. Wenn der Arbeitsumfang dem tatsächlichen Bedarf des Exemplars entspricht, erhalten wir ein Instrument zurück, das man beim Spielen beurteilen kann, statt mit seiner Einstellung kämpfen zu müssen.

In unseren Vergleichen erwiesen sich gut vorbereitete japanische Akustikgitarren immer wieder als mindestens ebenso überzeugend wie teurere amerikanische Instrumente. Gespräche mit Gitarristen und ihre Eindrücke beim Anspielen solcher Gitarren untermauern diese Einschätzung. Für uns ist die bessere Gitarre diejenige, die dem Musiker mehr Freiheit gibt, auf seine Artikulation reagiert und ihn dazu bringt, weiterspielen zu wollen.

Den Unterschied selbst hören

Beginnen Sie mit ruhiger Begleitung und hören Sie, ob die Stimme gut neben der Gitarre Platz findet. Spielen Sie anschließend Einzeltöne, Bassläufe und einige Akkorde weiter oben am Hals. Prüfen Sie, ob das Instrument bei kräftigerem Anschlag die Durchsichtigkeit bewahrt und bei sanfter Berührung dennoch mühelos anspricht. Ein solcher Test sagt mehr darüber aus, wie gut die Gitarre zum Musiker passt, als allein der erste laute Akkordanschlag.

Bitten Sie auch eine zweite Person, beide Instrumente zu spielen. Hinter dem Korpus hört man eine Gitarre anders als einige Schritte davor. Sorgen Sie für ähnlich frische Saiten und spielen Sie im selben Raum. Dann lässt sich leichter feststellen, ob Ihnen eine bestimmte K.Yairi, Thumb, Cat’s Eyes oder Headway mehr zusagt oder die verglichene Martin bzw. Gibson.

Warum wir selbst so häufig Japan wählen

Unserer Ansicht nach ist der Kauf einer gut ausgewählten japanischen Akustikgitarre nach professioneller Vorbereitung einer der besten Wege zu einem hochwertigen Instrument. Man erhält eine solide Konstruktion, die Geschichte echten Handwerks und eine Gitarre, die für das tägliche Spielen ausgearbeitet ist. In vielen Fällen halten wir eine solche Wahl für besser als den Kauf eines deutlich teureren Instruments aus den USA.

Cat’s Eyes zeigt, wie fruchtbar die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Tradition sein konnte. K.Yairi zeigt, wie man eine eigene Identität aufbaut und die Anerkennung anspruchsvoller Musiker gewinnt. Headway und Yasuo Momose zeigen, wie sich die Analyse klassischer Lösungen in eine eigenständige Gitarrenbauschule verwandeln lässt. Das sind Gründe genug, eine japanische Gitarre ohne jegliche Komplexe neben eine Martin oder Gibson zu stellen.

Wir laden Sie herzlich zu Selected Vintage Guitars in Poznań ein. Gern zeigen wir Ihnen die Instrumente, erläutern den Umfang der ausgeführten Arbeiten und helfen Ihnen, sie im Hinblick auf Ihr Spiel zu vergleichen. Das beste Ende dieser Geschichte ist eine Gitarre, die man selbst mit nach Hause nehmen möchte.

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Weiterführende Literatur

Für die Geschichte der Marken lohnt sich ein Blick auf die Websites von Tokai, Yairi und Headway sowie in den Originalkatalog von Cat’s Eyes. Das Datenblatt zur WY1 beschreibt Bob Weirs Mitwirkung an dem Projekt; der Kommentar von David Grisman ist ein persönlicher Bericht über eine Aufnahme mit Jerry Garcia. Die Spezifikationen von Martin und Gibson helfen dabei, konkrete konstruktive Lösungen zu vergleichen. Unsere Bewertung von Klang, Spielkomfort und Kaufwert geben wir aus der Perspektive der Arbeit von Guitar Lab und unserer Erfahrungen mit den Instrumenten wieder.

Tokai — offizielle Firmengeschichte und Zusammenarbeit mit C.F. Martin ↗

Tokai-Cat’s-Eyes-Katalog 1981 — CE-Serie und Modell CE1500 (Scan, PDF) ↗

K.Yairi — Geschichte und Philosophie der Werkstatt in Kani ↗

K.Yairi — Holzauswahl und die einzelnen Arbeitsschritte beim Bau einer Gitarre ↗

Alvarez-Yairi WY1 — Zusammenarbeit mit Bob Weir und Spezifikation des Modells ↗

David Grisman — Begleittext zu Bare Bones, Volume II, 2024 (PDF) ↗

Foreign Press Center Japan — K.Yairi und Paul McCartney ↗

Headway — Analyse der Martin HD-28, Anfänge der HD-115 und Rückkehr der Marke ↗

Deviser — das Werk von Yasuo Momose und die Fortführung seiner Arbeit ↗

Martin D-28 — Spezifikation des aktuellen Modells ↗

Martin OM-28 — Konstruktion und Mensur ↗

Gibson SJ-200 Standard — Super-Jumbo-Konstruktion mit Fichte und Ahorn ↗

Gebrauchte Akustikgitarren ↗