Ratgeber / SELECTED VINTAGE GUITARS
Ein japanischer Dreadnought statt eines teuren Martin? Thumb, K.Yairi und K.Country
Bevor Sie 20.000–50.000 PLN für einen Martin ausgeben, spielen Sie einen guten japanischen Dreadnought. Unserer Meinung nach lässt sich mit einer professionell vorbereiteten älteren Akustikgitarre für deutlich weniger Geld ein hervorragendes Instrument finden.
Großer Klang braucht keine ebenso große Ausgabe
Für Spielen, Aufnehmen und Songwriting würden wir selbst mit einem guten japanischen Dreadnought aus den 1970er- oder 1980er-Jahren beginnen, der fachgerecht vorbereitet wurde. Unserer Meinung nach ist das oft der bessere Kauf, als mehrere Zehntausend Złoty in eine neue Gitarre zu investieren. Für deutlich weniger Geld findet man Klangfülle, Komfort und Spielfreude für den Alltag.
Teure Martin-Gitarren sind für Liebhaber dieser Korpusform ein natürlicher Bezugspunkt. Prüfen Sie jedoch, ob ein konkretes japanisches Exemplar bereits genau das bietet, was Sie suchen: klare Akkorde, überzeugenden Bass und eine gute Reaktion auf Finger oder Plektrum. Die Ersparnis kann dann in Aufnahmen oder ein gutes Mikrofon fließen — oder einfach erhalten bleiben.
Japanischer Gitarrenbau hat eine eigene Tradition
Hinter diesen Gitarren steckt mehr als die Ähnlichkeit mit amerikanischen Vorbildern. Die Geschichte der Yairi-Werkstatt reicht bis 1935 zurück. Die Marke K.Yairi entstand 1965, nachdem Kazuo Yairi aus den USA zurückgekehrt war, wo er den Gitarrenbau studiert hatte. Yamaha trat 1966 mit dem selbst entwickelten FG180 in den weltweiten Gitarrenmarkt ein. Diese Beispiele zeigen die Entwicklung eigener Fähigkeiten, Entwürfe und Fertigungsmöglichkeiten.
An älteren japanischen Akustikgitarren schätzen wir besonders die Verbindung durchdachter Konstruktion und individuellen Charakters. Ein gutes Instrument dieser Zeit kann ein vollwertiger Partner für die musikalische Arbeit sein. Nach fachgerechter Überholung wird es zu einer sehr attraktiven Alternative zu einer deutlich teureren neuen Akustikgitarre.
Was sich mit einem Martin vergleichen lässt
Der heutige Martin D-28 verbindet eine massive Fichtendecke mit Boden und Zargen aus massivem ostindischem Palisander. Das bietet einen konkreten Bezugspunkt für Material- und Konstruktionsvergleiche. Japanische Modelle verwenden unterschiedliche Lösungen: von laminierten Korpussen bis zu Instrumenten mit massiver Decke. Informieren Sie sich über die Bauweise des Exemplars und prüfen Sie es anschließend im Spiel.
Beim Test zählt vor allem, ob der Bass den Akkord trägt, jede Saite klar bleibt und die Gitarre auf sanften Anschlag reagiert. Spielen Sie auch kräftiger, wie bei der Begleitung einer Gesangsstimme. Ein Dreadnought soll dem eigenen Spiel Raum geben. Erfüllt ein japanisches Exemplar diese Erwartungen und liegt gut in der Hand, kann der Aufpreis für ein deutlich teureres Instrument unnötig sein.
Thumb W-500 von 1973: massive Fichte und neue Bünde
Der Thumb W-500 aus unserer Sammlung besitzt eine massive Fichtendecke, Palisanderboden und -zargen sowie einen Mahagonihals. Wir haben das Griffbrett geplant, neue Blacksmith-Medium-Jumbo-Bünde eingesetzt und die Saitenlage für einen 12–53-Satz eingestellt. Er eignet sich sehr gut zum Vergleich mit einem neuen Dreadnought: Eine ältere Konstruktion erhielt eine frisch vorbereitete Spielfläche.
An Boden und Zargen bleiben milchige Lackverfärbungen und Gebrauchsspuren erhalten. Für Musiker, die diesen Anblick akzeptieren, ist das interessant: Das Budget fließt in ein Instrument mit massiver Decke und abgeschlossener Neubundierung. Genau solche Exemplare sollte man unserer Meinung nach ausprobieren, bevor man wesentlich mehr ausgibt.
K.Yairi YW-500P: Vorbereitung, die man spürt
Unser K.Yairi YW-500P von 1979 erhielt ein geplantes Griffbrett, Blacksmith-Medium-Jumbo-Bünde sowie einen neuen Knochensattel und eine neue Knochenstegeinlage. Alles wurde auf 12–53-Saiten eingestellt. Dieser Arbeitsumfang erlaubt es, ein älteres Instrument nach seiner Vorbereitung auf weiteres Spielen zu beurteilen.
Auf der Decke ist die Spur eines früheren Aufklebers sichtbar. Diesen Punkt sollte man ansehen, doch bei einer Alltagsgitarre wiegen Akkordkomfort, Intonation und Ansprache für uns deutlich schwerer. Ein gut vorbereiteter Yairi ist unserer Ansicht nach eine starke Option für jemanden, der eine teure Akustikgitarre erwägt und sein Budget vernünftig einsetzen möchte.
K.Country D-350: Auch Laminat gehört in die Hand
Der K.Country D-350 aus den 1970er-Jahren zeigt einen anderen Weg zum guten japanischen Dreadnought. Dieses Exemplar ist laminiert aufgebaut: Fichtendecke sowie Palisanderboden und -zargen. Es blieb als New Old Stock erhalten, mit originalen Bünden ohne Verschleißspuren. Die Vorbereitung umfasste Prüfung, neue Saiten und eine Grundeinstellung.
Nicht jede ältere Gitarre braucht eine komplette Überholung. Hier sind der erhaltene Zustand und eine dem tatsächlichen Bedarf angepasste Vorbereitung die Vorteile. Wer eine Akustikgitarre zur Begleitung sucht, sollte auch solche Konstruktionen anhören. Eine gut klingende laminierte Gitarre kann der deutlich passendere Kauf sein als ein teureres Instrument, das sich nicht richtig anfühlt.
Bei einer Akustikgitarre zählt das Zusammenspiel von Hals, Bünden und Steg
Vor dem Kauf beurteilen wir Decke, Steg, Verbindungen, Bünde und die Halsgeometrie zum Korpus. Wir prüfen den Spielkomfort in tiefen und hohen Lagen. Die Saitenhöhe entsteht aus mehreren zusammenwirkenden Faktoren: Halskrümmung, Sattelkerben und Höhe der Stegeinlage. Fachgerechte Vorbereitung ist deshalb viel mehr wert als bloß ein neuer Saitensatz.
Auch eine neue Akustikgitarre sollte an Hand, Stimmung und Anschlag angepasst werden. Holz reagiert auf Luftfeuchtigkeit, weshalb späteres Nachjustieren nötig sein kann. Vergleichen wir Angebote, zählt das für unser Spiel vorbereitete Instrument. Genau hier überzeugt eine gründlich gewartete japanische Gitarre besonders.
So beurteilen Sie eine neu bundierte Gitarre ↗
Vor einer Ausgabe von 20.000–50.000 PLN: einen Vergleich vereinbaren
Bringen Sie Ihr Plektrum mit und spielen Sie einige gut vertraute Stücke. Beginnen Sie mit Akkorden, dann folgen Einzeltöne und sanftes Fingerpicking. Lassen Sie auch eine andere Person vorspielen: Vor der Gitarre hört man sie anders als hinter dem Korpus. Achten Sie beim Vergleich auf einen ähnlichen Saitenzustand und gleiche Raumbedingungen.
Unsere Wahl fällt oft auf einen gut erhaltenen japanischen Dreadnought nach fachgerechter Vorbereitung. Wenn Klang, Komfort und Spielfreude im Mittelpunkt stehen, halten wir ihn für den besseren Budgeteinsatz. Thumb, K.Yairi und K.Country sind hervorragende Kandidaten, um das selbst zu erleben. Probieren Sie die konkreten Exemplare bei Selected Vintage Guitars in Poznań aus.
Weiterführende Literatur
Für Konstruktion und Geschichte liefert die D-28-Spezifikation einen Materialvergleich; Yairi und Yamaha erläutern die Entwicklung des japanischen Gitarrenbaus. Martins Pflegehandbuch vertieft Einstellung und Feuchtigkeitseinflüsse bei Akustikgitarren. Unsere Bewertung des Preis-Leistungs-Verhältnisses beruht auf den beschriebenen Exemplaren und ihrer Vorbereitung bei Guitar Lab.
Martin D-28 — Materialien und Spezifikation des aktuellen Modells ↗
Yairi-Geschichte — Firmenanfänge und Gitarrenbautradition ↗
Yamaha-Gitarrengeschichte — eigene Konstruktionen seit 1966 ↗
Martin Care & Feeding — Einstellung, Luftfeuchtigkeit und Pflege von Akustikgitarren ↗



