Ratgeber / SELECTED VINTAGE GUITARS

Fresher: Markengeschichte, Straighter-Gitarren und japanische Vintage-Bässe

Die Marke der Firma Kyowa aus Nagoya: klassische E-Gitarren und Bässe sowie gewagte Experimente mit Elektronik. Fresher hat eine weit interessantere Geschichte, als der an Fender erinnernde Schriftzug auf der Kopfplatte vermuten lässt.

Fresher Straighter ST

1973: Fresher erscheint in Nagoya

Fresher debütierte 1973 als Marke der Firma Kyowa aus Nagoya. Michael Wright, der diese Geschichte mit Unterstützung des japanischen Redakteurs Hiroyuki Noguchi beschreibt, nennt die Matsumoto Musical Instrument Manufacturers’ Association als frühen Hersteller. Dabei handelte es sich nicht um die Fabrik Matsumoku. Der Autor datiert die Einführung der Gitarren mit eingebauten Effekten auf 1977 und das Ende der Produktion unter dem Markennamen Fresher auf 1985.

Es ist ein kurzes, aber markantes Kapitel des japanischen E-Gitarrenbaus: Neben dem Interesse an amerikanischen Konstruktionen zeigte sich der Wunsch, Gitarristen etwas Eigenes anzubieten.

Michael Wright — Fresher Guitars, Vintage Guitar, September 1995 ↗

Zur Quelle: Die Geschichte wurde unter Mitwirkung des japanischen Redakteurs Hiroyuki Noguchi erarbeitet; die Modelle gleichen wir zusätzlich mit dem Katalog ab.

Klassische Vorbilder und ein breites Programm

Ein erhaltener Katalog aus den späten 1970er-Jahren zeigt, dass das Fresher-Programm weit mehr als Gitarren vom Typ ST umfasste. Darin finden sich FL-Instrumente, die an die Les Paul angelehnt sind, FN-Modelle mit kompakterem Korpus sowie Halbresonanzgitarren. Im Bassteil gibt es sowohl Konstruktionen mit zwei Singlecoil-Tonabnehmern als auch Modelle mit Split-Coil-Bestückung.

An diesen Gitarren lässt sich die für die Epoche typische Auseinandersetzung mit bekannten Formen erkennen. Für heutige Musiker bedeutet das die Möglichkeit, eine vertraute Konstruktion unter einem weniger bekannten Markennamen zu finden – oft zu einem attraktiven Preis.

Fresher — Katalog aus den späten 1970er-Jahren, Archiv Guitar Catalog ↗

Fünf Effekte im Gitarrenkorpus

Das ungewöhnlichste Kapitel dieser Geschichte bilden die Modelle FS-1007, FL-1005 und FF-1003 mit ihrer umfangreichen Effektschaltung. Der Katalog zeigt Regler für Phaser, Auto-Wah, Verzerrung, Sustain und Boost sowie einen Schalter, mit dem sich die Schaltung umgehen lässt (Bypass). Bekannte Korpusformen wurden so zur Grundlage einer Konstruktion, bei der ein beträchtlicher Teil des Klangarsenals direkt in der Gitarre untergebracht war.

Das ist ein interessantes Beispiel für die Ambitionen der Marke. Fresher beschränkte sich nicht darauf, das Aussehen ausländischer Instrumente nachzubilden – man suchte nach einem eigenen Weg, ihre Möglichkeiten zu erweitern. Das Sammlerinteresse an diesen Modellen sollte jedoch nicht die einfacheren Straighter und Bässe in den Schatten stellen, die ebenfalls eine nähere Betrachtung wert sind.

Fresher — Originalkatalog, S. 9–10 ↗

Straighter: klassische Form, unterschiedliche Möglichkeiten

In unserem Angebot finden sich Fresher Straighter ST vom Übergang der 1970er- zu den 1980er-Jahren sowie aus den frühen 1980ern. Die Versionen mit drei Singlecoil-Tonabnehmern bewahren die klassische ST-Bestückung. Das Exemplar E26041 in Olympic White weist dagegen spätere Modifikationen auf: Rail-Humbucker an Hals- und Stegposition sowie einen Singlecoil in der Mitte. Das zeigt, wie diese Gitarren weiterhin Musikern dienen und an deren Bedürfnisse angepasst werden.

Selected Vintage Guitars — Fresher Straighter ST, E26041 ↗

Fresher Personal Bass aus unserem Angebot — Exemplar B25159.

Personal Bass: Einfachheit, die Sinn ergibt

Bassisten empfehlen wir, sich die Personal-Bass-Serie genauer anzusehen. Ein Beispiel ist das Sunburst-Exemplar B25159, das in unserem Angebot als Instrument aus den Jahren 1977–1980 beschrieben ist. Er besitzt eine passive Schaltung mit Split-Coil-Tonabnehmer und wurde in unserer Werkstatt mit neuen Medium-Bünden neu bundiert. Das ist eine konkrete Information über die Vorbereitung des Instruments – wesentlich hilfreicher als die bloße Bezeichnung „Vintage“.

Solche Bässe sollte man im Hinblick auf das Halsprofil, das Gewicht und die Reaktion auf die Spielweise testen. Die einfache Elektronik erlaubt es, den Grundklang des Instruments und seine Eignung für das eigene Setup schnell zu beurteilen.

Selected Vintage Guitars — Fresher Personal Bass, B25159 ↗

Guter Preis und gewissenhafte Vorbereitung

Wir schätzen Fresher-Instrumente für ihr Preis-Leistungs-Verhältnis. Sorgfältig vorbereitete E-Gitarren und Bässe dieser Marke halten unserer Meinung nach einen Vergleich mit neuen Instrumenten der Standardserien von Fender Mexico sowie mit teureren gebrauchten Gitarren stand. Ihr Reiz ergibt sich aus der Verbindung bekannter Konstruktionen, japanischer Fertigung und dem Preis des jeweiligen Exemplars. Aktuelle Angebote sowie eine Beschreibung der durchgeführten Arbeiten finden Sie in unserem Shop.