Ratgeber / SELECTED VINTAGE GUITARS

Fernandes und Burny: Firmengeschichte, Mark Knopfler und Gitarren mit Sustainer

Von Gitarren, die an amerikanische Klassiker anknüpfen, über Künstlermodelle bis zum Sustainer. Fernandes hat die Geschichte japanischer E-Gitarren, E-Bässe und der Marke Burny mitgeschrieben, und seine Instrumente gelangten auch in die Hände von Musikern von Weltrang.

Fernandes PJR45

Ein Unternehmen, das über den japanischen Markt hinauswuchs

Die Firma Fernandes wurde am 25. Februar 1969 gegründet. Laut Tokyo Shoko Research überstieg ihr Umsatz im Geschäftsjahr, das im Januar 1999 endete, 4 Milliarden Yen. Das Angebot umfasste Gitarren, Bässe, Verstärker und Effekte; Fernandes exportierte in die USA und vergab die Fertigung grundsätzlich an externe Hersteller. Das Unternehmen verband die Entwicklung eines eigenen Programms mit Fertigungskooperationen und internationalem Vertrieb.

Tokyo Shoko Research — Bericht über Fernandes, 16.07.2025 ↗

Fernandes, Burny und die frühen 1970er

Der Katalog von 1973 trägt die Bezeichnungen Fernandes und Burny. Er zeigt die Gitarren FST-60 und FSG sowie Royal-Verstärker. Das Angebot umfasste also sowohl Instrumente nach amerikanischen Vorbildern als auch die Technik, um sie zu verstärken. Burny war Teil derselben Firmengeschichte; die späteren elektrischen und akustischen Modelle beschreiben wir zusätzlich in einem eigenen Artikel.

Fernandes / Burny — Originalkatalog 1973 ↗

Mark Knopfler: das Zeugnis von John Suhr

Die Verbindung zwischen Mark Knopfler und Fernandes bestätigt jemand, der an seinen Gitarren gearbeitet hat. In der Oktoberausgabe 1985 von „International Musician & Recording World“ erinnert sich John Suhr, dass er Knopfler kennenlernte, als dieser bei Rudy Pensa eine größere Anzahl Schecter- und Fernandes-Gitarren kaufte. Erst später entwickelte sich daraus eine Zusammenarbeit beim Bau individuell in Auftrag gegebener Instrumente.

Suhrs Bericht zeigt, dass Fernandes-Instrumente in die Auswahl eines Musikers mit sehr genauen Anforderungen gelangten. Ein interessantes Kapitel in der Geschichte einer Marke, die heute oft vor allem mit dem japanischen Markt und den Modellen mit Sustainer in Verbindung gebracht wird.

John Suhr — Knopfler’s Knecks, International Musician & Recording World, 10/1985, S. 23 ↗

Zur Quelle: Der Bericht betrifft den Kauf von Instrumenten; er belegt kein offizielles Signature-Modell mit Knopflers Namen.

Sustainer: die Saite selbst in Schwingung halten

Der Sustainer ist eine der charakteristischsten Lösungen des Unternehmens. Eine batteriebetriebene Elektronik leitet das Signal des Tonabnehmers an ein Erregerelement, den sogenannten Driver, weiter, der die Schwingung der Saiten aufrechterhält. So kann der Gitarrist lang ausklingende Töne führen und mit ihren Obertönen arbeiten.

Damit werden die Möglichkeiten des Instruments direkt an der Klangquelle erweitert. Das System wurde neben Gitarren mit herkömmlicher Elektronik zu einem wichtigen Bestandteil des Fernandes-Programms. Schaltbild und Funktionsbeschreibung finden sich im Katalog von 1995.

Fernandes — Funktionsprinzip des Sustainers / Sustainer diagram, 1995, S. 4–5 ↗

hide und die markanten MG-Modelle

Ein interessantes Kapitel der Markengeschichte bilden die Signature-Modelle japanischer Künstler. Der Katalog von 1995 widmet dem Gitarristen hide von X Japan eine eigene Doppelseite. Gezeigt werden unter anderem die MG-120X mit mehrfarbiger Grafik, die schwarze MG-125S mit Sustainer und die weiße MG-115C. Das ist ein gut dokumentiertes Beispiel dafür, wie eng das Programm des Herstellers mit der Musikszene verbunden war. Die Unterschiede betrafen nicht nur die Lackierung, sondern auch die Ausstattung der einzelnen Versionen.

Fernandes — hide / X Japan, 1995, S. 40–41 ↗

Von Hoteis Gitarren zur kompakten ZO-3

Tomoyasu Hotei erhielt eine eigene Familie von TE-Modellen, die an ihrer geometrischen Grafik zu erkennen sind. Im Katalog erscheinen unter anderem TE-340HT und TE-95HT nebeneinander. Das zeigt, dass ein charakteristischer Bühnenentwurf in mehreren Varianten weiterentwickelt wurde.

Fernandes — Tomoyasu Hotei, 1995, S. 38–39 ↗

ZO-3: eine Gitarre mit eigenem Lautsprecher

Eine andere Idee war die kleine ZO-3 mit eingebautem Lautsprecher. Die Grundversion wird im Katalog als Instrument mit 609 mm Mensur, 22 Bünden und einem 5-W-Verstärker beschrieben. Ein solches Konzept erinnert daran, dass sich Fernandes nicht ausschließlich mit klassischen Bühnengitarren beschäftigte: Das Unternehmen suchte auch nach anderen Möglichkeiten, das Instrument zu nutzen.

Fernandes — ZO-3, 1995, S. 90–91 ↗

Fernandes The Function FST — Exemplar E26043 aus unserem Angebot.

Fernandes bei Selected Vintage Guitars

In unserem Geschäft vertreten unter anderem eine The Function FST und der Bass PJR-45 Boxer von 1986 die Geschichte der Marke. Der Boxer besitzt eine passive PJ-Bestückung: einen Split-Coil-Tonabnehmer und einen Single-Coil-Tonabnehmer am Steg. Beim Exemplar B25144 wurden in unserer Werkstatt die Bünde abgerichtet und die Elektronik abgeschirmt.

Unserer Einschätzung nach sind gut vorbereitete Fernandes-Instrumente eine wertvolle Alternative zu neuen E-Gitarren und E-Bässen aus den Standardserien bekannter Marken. Wir schätzen ihre Verarbeitung und ihre praxisgerechten Lösungen; den besten Eindruck von ihren Möglichkeiten vermittelt ein konkretes Exemplar beim Spielen.

Selected Vintage Guitars — Fernandes PJR-45 Boxer, B25144 ↗

Das weitere Schicksal des Unternehmens und Vintage-Instrumente

Laut Tokyo Shoko Research stellte das Unternehmen im Juli 2024 seinen Geschäftsbetrieb ein, und im Juli 2025 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

Tokyo Shoko Research — Bericht über Fernandes, 16.07.2025 ↗