Ratgeber / GUITAR LAB

Riss in der Decke einer Akustikgitarre: Beurteilung und Reparaturplan. Mountain W350

Eine sichtbare Linie verrät noch nicht alles über den Zustand des Korpus. Wir erklären, wie man an einen Deckenschaden herangeht und den Service einer älteren Akustikgitarre plant.

Mountain W350 — Guitar Lab

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Zuerst klären wir, was beschädigt ist

Bei einer sichtbaren Linie muss man zwischen einem Lackschaden und einem Riss im Holz unterscheiden. Für den Reparaturplan sind die Lage des Schadens, der Zustand seiner Ränder und die Umgebung im Inneren des Korpus entscheidend. Ein Foto allein, von oben aufgenommen, reicht für diese Beurteilung möglicherweise nicht aus.

Nicht jeder Spalt sollte sofort mit Leim gefüllt werden. Zuerst ist eine Diagnose nötig, mit der sich die Reparaturmethode auf die konkrete Decke abstimmen lässt. Die Art der Verleimung und einer eventuellen Verstärkung wird erst nach der Begutachtung des Schadens festgelegt.

Die Luftfeuchtigkeit ist Teil der Zustandsbeurteilung einer Gitarre

Austrocknung kann dazu führen, dass das Holz schrumpft und reißt, und kann die Korpusgeometrie sowie die Saitenlage verändern. Deshalb lohnt es sich, bei einem Deckenschaden auch die Lagerbedingungen zu analysieren. Angaben dazu, wo die Gitarre stand und ob sich ihre Umgebung kürzlich verändert hat, ergänzen die Begutachtung.

Das bedeutet nicht, dass jeder Riss die Folge zu trockener Luft ist. Die Ursache sollte nicht allein anhand der Ähnlichkeit mit dem Foto einer anderen Gitarre bestimmt werden. Nach der Reparatur ist es sinnvoll, die Lagerbedingungen zu überwachen, das ersetzt jedoch nicht die Beurteilung der Verbindung selbst.

Mountain W350: mehr als eine Deckenreparatur

Bei dieser Mountain W350 reparierten wir einen Riss in der Decke, richteten das Griffbrett ab und erneuerten die Bünde. Die Gitarre erhielt einen Knochensattel und eine Knochenstegeinlage. Außerdem montierten wir ein neues Schlagbrett und warteten die Hardware.

Der Arbeitsumfang verband die Korpusreparatur mit der Vorbereitung des Halses und der Saitenauflagen. Bei einer älteren Akustikgitarre lohnt es sich, diese Bereiche gemeinsam zu beurteilen, auch wenn der unmittelbare Anlass für den Werkstattauftrag ein einzelner sichtbarer Schaden ist.

Der Sattel wird an das Instrument angepasst

Ein Knochensattel muss zum Sitz und zum Saitenabstand passen. Breite und Tiefe seiner Kerben richten sich nach dem konkreten Saitensatz. Die endgültige Höhe wird bei aufgezogenen und gestimmten Saiten geprüft. Das Material allein ersetzt keine fachgerechte Ausführung.

Was du vor dem Werkstattbesuch tun solltest

Fotografiere das ganze Instrument und den Schaden aus der Nähe. Notiere, wann du ihn bemerkt hast und ob sich die Bespielbarkeit verändert hat. Beschreibe auch bekannte frühere Reparaturen. Diese Angaben helfen bei der Vorbereitung der Zustandsprüfung.

Weiterführende Literatur

Möchtest du besser verstehen, wie sich die Luftfeuchtigkeit auf eine Akustikgitarre auswirkt? Wirf einen Blick in das technische Merkblatt von Taylor. Der Beitrag von StewMac ergänzt das Thema um eine praktische Erklärung zur Anfertigung eines Sattels.

Auswirkungen von Austrocknung auf die Gitarre — technisches Merkblatt von Taylor ↗

Sattel anpassen — StewMac ↗