Ratgeber / SELECTED VINTAGE GUITARS

Eine neu bundierte Gitarre kaufen: Was sollte man prüfen?

Neue Bünde können bei einer Vintage-Gitarre ein großer Vorteil sein. Wir erklären, wie sich das Ergebnis einer Überholung beurteilen lässt und warum ein gut vorbereitetes älteres Instrument eine interessante Alternative zum Neukauf ist.

Neue Bünde eröffnen das nächste Kapitel

Eine neu bundierte Vintage-Gitarre muss ihre besten Jahre keineswegs hinter sich haben. Im Gegenteil: Fachgerechte Arbeit erhält eine geschätzte Konstruktion und stellt den Komfort an der Fläche wieder her, mit der die Saiten beim Spielen in Kontakt kommen. Deshalb lohnt es sich unserer Meinung nach, eine überholte ältere Gitarre statt eines neuen Mittelklasseinstruments ernsthaft in Betracht zu ziehen.

Entscheidend sind Umfang und Qualität der Vorbereitung. ‘Neue Bünde’ bedeutet zunächst nur, dass Teile ersetzt wurden. Über Halsgeometrie, Sattelanpassung oder abschließende Einstellung sagt das allein nichts aus. Wir beurteilen diese Elemente gemeinsam. So erhält die Überholung einen praktischen Nutzen für den Musiker.

Polieren, Abrichten und Ersetzen sind unterschiedliche Arbeiten

Polieren glättet die Bundkronen. Abrichten gleicht ihre Höhe an, anschließendes Verrunden stellt die richtige Form der Spitzen wieder her. Neubundieren bedeutet, alten Bunddraht zu entfernen und neuen einzusetzen. Die Wahl richtet sich nach Verschleiß und Zustand; nicht jede ältere Gitarre braucht neue Bünde.

Bei einer Neubundierung werden Griffbrett und Bundschlitze geprüft. Die Bearbeitung des Holzes ist eine gesonderte Entscheidung nach Beurteilung der Geometrie. Das Planen des Griffbretts gehört nicht zwingend zu jeder Neubundierung. Ziel ist eine korrekt vorbereitete Spielfläche bei einem angemessenen Eingriff.

Aria WJ-40: neue Bünde und vorbereitetes Griffbrett

Bei unserer Aria WJ-40 von 1981 haben wir das Griffbrett geplant und 2,1 mm breite Blacksmith-Bünde eingesetzt. Dazu kamen Pflege, Einstellung und der Einbau eines passiven Piezo-Tonabnehmers. Dieses konkrete Beispiel einer älteren Akustikgitarre zeigt eine Vorbereitung, die über einen Saitenwechsel hinausgeht.

Vor dem Kauf lassen sich die ausgeführten Arbeiten nachlesen, Fotos ansehen und die Instrumentenpräsentation aufrufen. Zusammen ergibt das ein wesentlich vollständigeres Bild als die pauschale Aussage, eine Gitarre sei ‘gewartet’.

Greco EG800: Bünde, Sattel und Einstellung als Einheit

Beim Greco EG800 von 1979 haben wir neue Medium-Jumbo-Bünde und einen neuen Sattel montiert und anschließend das Setup durchgeführt. Diese Verbindung ist wichtig: Nach einem Bundwechsel muss das Verhältnis zwischen Saiten und Bundhöhe geprüft werden, auch am Sattel. Das bedeutet nicht, dass der Sattel immer ersetzt werden muss — Zustand und Maße entscheiden.

An älteren Gitarren können Lackabrieb und Druckstellen bleiben, obwohl die Spielfläche erneuert wurde. Diese Aspekte sollte man trennen. Eine Spur auf der Korpusrückseite beschreibt nicht die Qualität der Bünde, genauso wenig wie glänzender Lack eine richtige Einstellung belegt.

Ein Spieltest sagt mehr als ein Foto

Spielen Sie jeden Ton auf jeder Saite mit Ihrer gewohnten Anschlagstärke. Achten Sie auf einzelne Stellen mit deutlich kürzerem Ausklang oder ungewöhnlichem Schnarren. Bei einer E-Gitarre zählt auch der verstärkte Klang, nicht allein das Geräusch der unverstärkten Saiten.

Prüfen Sie anschließend Bendings auf den Diskantsaiten, das Gleiten der Hand an den Griffbrettkanten und den Akkordkomfort in den ersten Lagen. Die Bundkronen sollten sich unter der Saite nicht rau anfühlen, die Bundenden die Hand nicht stören. Benennen Sie bei Zweifeln die konkrete Stelle, statt pauschal eine ‘noch niedrigere Saitenlage’ zu verlangen.

Eine niedrige Saitenlage muss zum Spielstil passen

Es gibt keine für alle ideale Saitenhöhe. Ein kräftiger Anschlag benötigt mehr Schwingungsraum als sanftes Spiel, und die Griffbrettgeometrie beeinflusst das Verhalten beim Bending. Eine Einstellung, die einer Person volle Freiheit gibt, kann eine andere behindern.

Fragen Sie, für welchen Saitensatz und welche Stimmung das Setup vorgenommen wurde. Eine andere Saitenstärke oder Stimmung kann eine Nachjustierung erfordern. Das gilt für eine überholte Vintage-Gitarre genauso wie für ein neues Exemplar. Komfort entsteht durch die Anpassung des gesamten Instruments an den Musiker.

Warum wir einen solchen Kauf empfehlen

Eine gute Überholung erlaubt es, sich aufs Spielen zu konzentrieren und ein Instrument mit eigenem Charakter zu genießen. Für uns ist das eines der stärksten Argumente für japanische Vintage-Gitarren: Eine interessante Konstruktion lässt sich mit klar beschriebener Werkstattvorbereitung verbinden.

Lesen Sie vor dem Kauf den Servicebericht, vergleichen Sie Fotos und klären Sie, ob die Arbeiten abgeschlossen sind oder zur Vorbereitung vor Übergabe gehören. Wenn sich die Gitarre richtig anfühlt und der Arbeitsumfang transparent ist, sind neue Bünde ein echter Vorteil — kein Grund, ein älteres Instrument auszuschließen.

Weiterführende Literatur

Weiterführende Informationen finden Sie unten. Herstellerspezifikationen helfen beim Vergleich konkreter Konstruktionen, Serviceunterlagen erklären Einstellprinzipien. Fotos und Links bei unseren Beispielen führen zu unseren Instrumenten; aktuellen Zustand und Vorbereitungsumfang finden Sie in den Angeboten.

Bundarbeiten — Polieren, Abrichten und Neubundieren, StewMac ↗

Mehr über Saitenlage und Spielstil — Fender ↗

Vorbereitung auf Bundarbeiten — StewMac ↗